Mama, guck - Macknele!

Eindrücke und Erlebnisse aus 8 Wochen Reise durch Marokko, Mauretanien, Senegal, Gambia und Mali

 

- von Astrid Auwärter -

Teil 1 - Marokko

Wir können es kaum glauben - am 9. November 2003 geht es nach x-maligem krankheitsbedingtem Verschieben unserer Reise endlich los! 

Einen konkreten Plan, wie unsere Reise aussehen soll, haben wir nicht. Auch kein exaktes Datum, wann wir wieder zu Hause sein wollen oder müssen. 

Unser Ziel heisst einfach Westafrika. Und ob wir bereits zu Weihnachten oder erst irgendwann im Januar heimkehren werden, das soll sich genauso wie die Reiseroute ganz einfach von selbst ergeben...

Es liegen noch sooo viele Autokilometer vor uns, also beschliessen wir spontan in Sète, uns die Fahrt durch Spanien zu ersparen und fahren auf die Fähre nach Tanger.

Zwei Nächte und einen Tag später sind wir bei der Ankunft in Tanger mehr als positiv überrascht, dass bereits hier T-Shirt-Temperaturen herrschen. Also weg mit dem Fleecepulli!

Wir wollen das wunderschöne Marokko nicht im Eiltempo durchfahren, sondern auch auf dieser Reise neue Ecken des Landes kennenlernen. Belohnt werden wir von der traumhaft schönen Landschaft entlang der Mittelmeerküste.  
Das Gebiet ist touristisch nahezu unerschlossen. Die Menschen ernähren sich fast ausschliesslich von der Landwirtschaft.  
Ursprüngliches Leben in einer Umgebung, in der anderswo längst Massentourismus herrschen würde.

Der Campingplatz am Strand vor El Jebha ist nicht in Betrieb. Die Soldaten, die beim angrenzenden Posten Dienst tun, betonen jedoch, dass wir trotzdem willkommen sind.   

Nach Einbruch der Dunkelheit kommen Lichter von Taschenlampen auf uns zu - die Wachmänner bringen uns Tee und Ramadan-Gebäck!  Wir erkundigen uns nach den Strassen durch das Rif-Gebirge, und ein lebhaftes Gespräch beginnt. Drei Einheimische - drei Meinungen. Nach langer Diskussion und sorgfältigem Studium der Landkarte im Schein der Taschenlampen einigen sich die drei, und auf der Basis der Empfehlungen der Soldaten entscheiden wir uns für unsere Route: Wir wählen nicht die schnellste, dafür aber die schönste Strasse nach Ketama und durch das Rifgebirge. 

In Fes beschliessen wir, dass wir uns für die Durchquerung des Mittleren und des Hohen Atlas viel Zeit nehmen wollen. 

Aus den Plänen wird nichts, denn das Wetterglück bleibt uns nicht treu... 
Foto: Schneematsch im Mittleren Atlas. Wir vergessen schnell wieder alle Gebirgspisten, die wir fahren wollten und orientieren uns in Richtung Marrakech.

Das einzige, was wir uns trotz des Schmuddelwetters nicht nehmen lassen möchten, ist ein Besuch bei den Cascades d'Ouzoud, den grössten Wasserfällen Marokkos. In Anbetracht von Kälte und Regen suchen wir uns in Azilal ein Hotelzimmer. Und ich bin konfrontiert mit einem alten Problem, mit dem ich immer wieder aufs Neue in afrikanischen (wie auch südeuropäischen) Ländern kämpfe: Wie schaffe ich es, möglichst jeglichen Kontakt zur kratzenden und schmuddeligen Wolldecke in meinem Bett zu vermeiden??? Es ist, als ob das Ungeziefer im Zimmer meine Antipathie gespürt und bestraft hätte - am kommenden Morgen bin ich von diversen juckenden Flohbissen verziert!

Aber es ist die Flohbisse wert. 
Auch wenn das herabstürzende Wasser bedingt durch die rote Erde nicht glasklar, sondern rotbraun gefärbt, den Berg herunterstürzt - die Wasserfälle sind beeindruckend. Und Lisanne findet die Rutschpartie im Schlamm am Fusse der Fälle so toll, dass sie gar nicht mehr zum Auto hinauf will...
Marrakech - eine Stadt, die man einfach immer wieder besuchen MUSS! Auch wenn im Souk während des Ramadans nach Einbruch der Dämmerung die Rolläden hinuntergehen, weil die hungrigen Verkäufer zum Essen eilen; die Stadt ist und bleibt einzigartig. 
Entgegen aller Erwartungen sind es nicht die Schlangenbe- schwörer, Wasserträger oder Gaukler, die bei unserer Kleinen den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Nein, es ist der Schuhputzer, von dem sie uns noch tagelang erzählt!
Die Sonne lächelt wieder milde auf uns herab, und die Temperaturen sind wieder auf ein freundlicheres Niveau gestiegen. Deshalb trauen wir uns, die Route über den etwas über 2.000 Meter hohen Pass Tizi-n-Test zu wählen. 
Die Reiseführer übertrei- ben nicht, wenn sie schreiben, Schwindel- freiheit sei auf dieser Strecke von Vorteil. Die schmale Strasse windet sich zumeist ohne Randbefestigung durch die Berge. Dafür sind grandiose Ausblicke garantiert!
Durch das fruchtbare breite Sous-Tal geht es nach der Passüber- querung in Richtung Agadir. Zur Rechten begleiten uns die Ausläufer des Hohen Atlas, zur Linken die Gebirgszüge des Anti-Atlas.  
Mehr noch als die schönen Gebirge Marokkos erregen jedoch die Kletterspezialisten mit Hörnern und Ziegenbart unsere Aufmerksamkeit.
Campingplatz Agadir - dank strahlendem Sonnenschein ist das Wasser aus unserer Solardusche wärmer als das in den sanitären Anlagen. Es wird für einige Tage das letzte Duschvergnügen im Freien gewesen sein. Der Regen, der schon wenige Stunden später wieder vom Himmel prasselt, wird uns die nächsten Tage auf unserer "Flucht" in Richtung Süden an den Fersen kleben! 
Schöne Unterkunft in fantastischer Landschaft: Hotel/Camping "Ksar Tafnidilt" wird von zwei französischen Ehepaaren betrieben. Foto: Das alte Ksar, aufgenommen aus dem Innenhof des Hotels. 

Als wir unsere Reise am Morgen nach der Nacht im Ksar fortsetzen wollen, hat uns der Regen wieder eingeholt. Die rote Erde verwandelt sich geradezu in Schmierseife. Guy, einer der Besitzer, räumt uns wenig Chancen ein, durch die zwei inzwischen rauschenden Bäche (gestern noch trockene Oueds) zur Strasse zurückzukommen. Was tun? Nun, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Nach dem Motto "Umkehren können wir ja immer noch" versuchen wir unser Glück. Mit Erfolg! Für die Durchquerung des zweiten Oueds - der erste war ohne grosse Probleme zu schaffen - bleiben wir nicht auf der Piste, sondern suchen eine Stelle, an der sich das Wasser auf mehrere einzelne Arme verteilt. Die Fluten sind dennoch beachtlich. Aber mit etwas Schwung passieren wir das rauschende Wasser und setzen wenig später auf der Asphaltstrasse die Fahrt nach Süden fort.

Die Strassen in Tan-Tan zeugen ebenfalls von den ungewöhnlich starken Regenfällen...
...ebenso wie die Vegetation, der wir hier in der Westsahara begegnen. Zitat Kurt: "So grün war es auf meinen bisherigen Reisen hier noch nie!"
Die drohenden Wolken begleiten uns auf der ganzen Fahrt durch die fast endlos erschei- nende Westsahara. Landschaftlich bietet die Transitstrecke durch die Wüste nicht viele Highlights. Blick auf das Meer - wie auf diesem Foto - hat man nur selten. 
Dakhla - zum ersten Mal wieder 24 Stunden am Stück ohne Regen! Wir nutzen die Gunst der Stunde und legen einen Waschtag ein. Das Foto soll nicht Werbung für den "Weissen Riesen" sein. Nein, wir hatten wegen des schlechten Wetters wirklich NUR noch nasse und dreckige Klamotten.

Zu Teil 2 - Mauretanien & Senegal

 

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