Hitzepickel und Frostbeulen

Impressionen aus acht Wochen Reise durch West- und Nordafrika im März und April 2004

Bereiste Länder: Mali, Burkina Faso, Ghana, Togo, Bénin,  Mauretanien & Marokko

- von Astrid Auwärter -


Teil 1 - Mali, Burkina Faso, Ghana

28. Februar 2004. In der Schweiz liegt Schnee. Nicht einmal einen halben Tag dauert unsere Flugreise von Genf nach Bamako. Es ist fast schon ein "Hineinkatapultiert-Werden" in eine andere Welt. Eine heisse, quirlige, staubige Welt. Die ersten paar Tage haben wir - allen voran unsere noch nicht ganz 3-jährige Tochter Lisanne - redliche Mühe, den Einstieg in diese Welt zu finden. Es sind nicht nur die knappen 40° Celsius, die uns zu schaffen machen, sondern auch - oder vielleicht vor allem - die Begegnung mit Armut, Müll und fehlender Hygiene. Die "feste Grösse", die uns beim Einleben hilft, ist unser Toyota Forerunner mit Dachzelt, der ja in den nächsten zwei Monaten unser Zuhause sein wird. Abgesehen von der Staubschicht, die sich auf dem Fahrzeug angehäuft hat, hat der Wagen die zwei Monate, die er in Bamako auf uns gewartet hat, einwandfrei überstanden.
Am ersten Tag sitzen wir nur müssig im Schatten, am zweiten besorgen wir Visa für Burkina Faso, am dritten verlassen wir die Grossstadt in Richtung Süden. Es zeigt sich, dass das Fahren die beste "Therapie" ist, um in das afrikanische Leben einzutauchen. 
Die "Chutes de Farako"; angenehmer Ort zum Rasten kurz vor der Grenze nach Burkina Faso. 
In Bobo Dioulasso - im Bild die bekannte Moschee Dioulassoba - machen wir zwei Tage Pause. Afrika hat uns inzwischen wieder so sehr in seinen Bann gezogen...
...dass wir uns sogar im afrikanischen Look einkleiden lassen.

Ganz unerwartet gibt es einen Wetterumschwung. Windböen fegen den rötlichen Sand in dicken Wolken durch die Strassen. Der Name dieses Phänomens: Harmattan. Die Temperatur sinkt beachtlich ab; am Nachmittag auf ca. 25°C. Am Morgen nach Einsetzen des Winds frieren wir schon fast bei ungewohnt kühlen 20°C. Einheimische erzählen uns, dass es seit sieben Jahren keinen derart starken Harmattan gegeben habe. 

Die sandgeschwängerten Winde werden uns in den kommenden Wochen zu unserem Leidwesen ständig begleiten. Allerdings flaut der Wind mehr und mehr ab. Was bleibt, ist eine sehr hohe Konzentration von Sand in der Luft, die alles in eine Art gelblich-grauen Dunst hüllt. Die Temperaturen liegen wieder wie gehabt zwischen 35 und 40°C. Man hat das Gefühl, der Sandnebel löse einen regelrechten Backofen-Effekt aus.

Die Einreise nach Ghana verläuft zügig. Der freundliche Zollbeamte möchte uns gar mit seinem Wissen über unser Heimat- bzw. Wohnland Schweiz beeindrucken. Es ist ihm nämlich bekannt, dass die Schweiz mehrsprachig ist. Schmunzeln müssen wir allerdings, als er uns fragt: "Welche Landessprachen gibt es in der Schweiz noch ausser Englisch?" 
Beklemmend im äussersten Süden Burkina Fasos, ebenso wie im Norden Ghanas: die offensichtliche Armut der Bevölkerung. Der Harmattan verstärkt den ohnehin trostlosen Eindruck.
Ortschaft Wa in Nord- Ghana: Im Bild die einzige Tankstelle, die grade Benzin führt. Während Tankwart Nr. 1 pumpt, schiebt sein Kollege Steinchen von einer Seite auf die andere, um die Anzahl der Füllmengen zu erfassen. Wir passen nicht gut auf und sind am Ende überrascht, wie viel in unseren Tank gepasst haben soll...

Für uns eines der Highlights dieser Reise: Elefanten beobachten im Mole Game Reserve.

 
Ausserdem gibts hautnahen Kontakt mit Pavianen und Warzenschweinen. Und wer viel Ausdauer hat, sieht auch die Krokodile.  
Ebenfalls im Mole Game Reserve: Genauso schön wie das Tiere-Beobachten, aber um einiges erfrischender ist der Pool für die Motel- und Campinggäste. 
Auf dem Weg in Richtung Küste: Typisches Strassendorf. Über allem liegt der sandige Dunst. 
Einzelhandel in Afrika: Jede Chance zum Verkaufen wird genutzt. Hier kriegen wir beim Bezahlen der Brückengebühr für die Überquerung des Schwarzen Volta die Gelegenheit, Bananen, Trinkwasser, Eier und Gebäck zu kaufen.
The Mighty Kintampo Falls. Schön und dank des Sprühnebels am Fuss der Fälle angenehm erfrischend. Schade nur, dass man bei unserem Besuch direkt neben den Fällen (!) den Müll verbrennt. Der Gestank mindert das Erlebnis gewaltig. Einheimische zahlen 2.000 Cedi pro Person, Touristen 15.000 (entspricht 1,50 Euro, was für Ghana sehr teuer ist).
Das Sammeltaxi hält, um Passagiere aus- und einsteigen zu lassen. Schon ist das übliche "Rudel" der Verkäufer zur Stelle.  
Die Vegetation wird üppiger und grüner, je näher wir der Küste kommen.
Aber von den einstigen Urwaldriesen ist nicht mehr viel übrig. Die letzten Exemplare begegnen einem leider häufig so wie auf diesem Foto.
Ein Highlight für Lisanne: Wir sind in Kumasi bei einer dort lebenden deutschen Familie eingeladen, die wir im Mole Game Reserve kennengelernt haben. Unsere Kleine ist begeistert, dass Marlene und Charlotte Deutsch sprechen! Und dann gibts auch noch jede Menge Spielzeug - kurz: paradiesisch!
ALLES kauft man in Westafrika am Strassenrand; angefangen bei der neuen Wohnzimmereinrichtung...
... übers Auto-Ersatzteil...

 

... bis hin zur handgefertigten Kalebasse (ausgehöhlte, getrocknete Kürbisse, die als Schüsseln verwendet werden).
Natürlich auch sämtliche Lebensmittel.
Hygienetechnisch einwandfrei? Obwohl ich da, ganz ehrlich gesagt, meine Zweifel habe: Auf der ganzen Reise bleiben wir trotz ausgiebigen Genusses der einheimischen Küche(n) von Durchfallproblemen verschont.
Der Hersteller dieser typischen bunten Kunststoffschüsseln und -eimer muss beneidenswerte Umsätze machen. Vor nahezu jeder Buschhütte sieht man diese farbenfrohen Haushaltsartikel.

Zu Teil 2 - Küste Ghana & Togo, Benin, Burkina Faso

 

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